Biographie

Peter Paul Althaus Schwabinger Original und Traumstadt-Dichter

Sein Vater lebte mit seiner Frau in Münster in Westfalen und hatte einen Eisenwaren-, Leder- und Polstergroßhandelsgeschäft. Peter Paul Carl wurde als erstes von 2 Kindern – der Bruder hieß Josef – am 28. Juli 1892 geboren. Der aufgeweckte Junge galt als intelligent und musikalisch. Immer zu Streichen aufgelegt, die bei seinen Lehrern keinen Anklang fanden, musste er mehrfach die Schule in und um Münster wechseln. Die Primareife erreichte er in Lingen an der Ems. Bereits damals verfasste er eigene Gedichte und schon seit 1916 arbeitete er bei den Zeitschriften Simplicissimus und Jugend mit. Aber PPA, wie er sich später nannte, sollte nicht Dichter werden, die Eltern hatten den anständigen Beruf des Apothekers für ihn vorgesehen. Doch wenige Monate nachdem er in einer Apotheke in Ahlen, Westfalen, eine Lehre begonnen hatte, brach der Erste Weltkrieg aus, zu dem er sich freiwillig meldete. Er wurde mehrfach verwundet, kehrte 1918 als Leutnant zurück und eröffnete in Münster mit seinem Bruder eine Heeresgutsammelstelle. An diese Einrichtung wandten sich auch aus dem Krieg zurückkehrende Künstler und Studenten, denen PPA zu Verdienst und Studium verhalf. Dann gründete er mit seinem Freundeskreis den Verlag Der weiße Rabe. Unter seiner Leitung kam die polemisch- satirische Zeitschrift Das Reagenzglas heraus und 1921 der Send – Eine Monatsschrift für die spanischen Dörfer. PPA studierte an der Universität Münster Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte, außerdem Musikwissenschaften. Nachdem er bereits 1920 erstmals öffentlich eigene Gedichte in der als vornehm geltenden literarischen Gesellschaft Münster vorgetragen hatte, freute es ihn besonders, als Börries Freiherr von Münchhausen seine Gedichte veröffent- lichte. “Dies sind,” schrieb PPA später, “die ersten Gedichte von mir, die veröffentlicht wurden. Ich darf mit Stolz sagen, dass sie im Göttinger Musenalmanach auf das Jahr 1923 erschienen sind. (…) Jedenfalls habe ich beim Wiederdurchlesen (…) feststellen können, dass ich mir selber treu geblieben bin.” Noch im selben Jahr erschien seine Nachdichtung der Komödie Tartüff von Molière im Originalversmaß.

1922 beschloss PPA nach einem Verlegerbesuch in München, sich dort anzusiedeln. Schwabing mit seiner Bohème wurde zu seiner Wahlheimat. Zudem galt die Isastadt als Kulturhauptstadt des Deutschen Reiches. Hier lebten die Maler des Blauen Reiters, hier waren die Elf Scharfrichter mit Frank Wedekind und der legendären Gräfin Franziska zu Reventlow zu Hause. Hier erlebte er den Georgekreis mit Karl Wolfkehl und begegnete auch Rainer Maria Rilke und den Brüdern Thomas und Heinrich Mann. PPA trat im Künstlerlokal Simplicissimus auf, wo die legendäre Wirtin Kathie Kobus und der Hausdichter Joachim Ringelnatz regierten, dem er posthum ein Gedicht widmete. Er kannte Max Halbe, C.G. von Maasen, Julius Kreis und Rudolf Schmitt-Sulzthal, den Leiter des Tukankreises, von dem er später zu Ehrentukan ernannt wurde. 1923 erschienen von ihm der Band Mystische Lyrik aus dem indischen Mittelalter, eine Nachdichtung, die er aus dem Englischen übersetzt hatte, wobei er den indisch-sanglichen Charakter zu wahren versuchte. 1924 veröffentlichte er Jack, der Aufschlitzer, ein Gedichtbändchen mit makabren Texten, die ein wenig an Frank Wedekinds geschlachtete Tante und an den Massenmörder Friedrich Hamann erinnerten. Die Polizei verbot das Buch auch wegen der frivolen Zeichnungen Rudolf Schlichters. Im selben Jahr erschien PPAs Übersetzung Geschichte Karl XII von Voltaire. Drei Jahre später publizierte er Altrussische Kirchenlieder als Nachdichtung. Die Texte, von ihm gesammelt, erinnern an Marienwallfahrtslieder. Sie wurden in Waldklöstern und auf Kirchenvorplätzen von Bettlern gesungen. Es ist nicht auszuschließen, dass PPA diese Lieder während seines Einsatzes an der Ostfront im Ersten Weltkrieg zu Ohren gekommen waren.

1930 machte er mit Wolfgang von Weber sein literarisches Liebhaberkabarett Der Zwiebelfisch auf. Aus der Zeit seiner Rundfunktätigkeit, die 1928 begann, sind nur wenige Manuskripte überliefert, da die texte in der regel spontan vor dem Mikrophon entstanden und nicht aufgezeichnet wurden. Natürlich schrieb PPA viele Kabarett Stücke und Hörspiele. Das Bekannteste war Liebe, Musik und der Tod des J.S. Bach, das 1933 im Bayrischen Rundfunk gesendet wurde. 1935 versuchte er sich an dem Theaterstück Der Zauber der Stimme, das 1936 an den Städtischen Bühnen in Köln zur Uraufführung kam. Die Musik dazu hatte Ludwig Kusche geschrieben, der päter auch viele seiner Gedichte vertonte. Von 1929bis 1930 lebte Althaus bei dem Maler Hermann Ebers in Seeshaupt am Starnberger See, der ihn auch malte. In dieser Zeit unternahm er zahlreiche Reisen – so sind allein 23 Aufenthalte in England belegt, worauf er auch in seinen Reisegedichten einging. Auch Italien zog ihn an. Am Theater in Weimar führte er für zwei Spielzeiten Regie. Mit der Zeit wandte sich Althaus immer mehr dem Rundfunk zu. In den dreißiger Jahren fiel es ihm schwer, mit dem damaligen System zurechtzukommen. So musste auch er sich eine Hausdurchsuchung gefallen lassen. Zwischen 1939 und 1941 war er Chefdramaturg und Oberspielleiter am Berliner Deutschlandsender. Er wurde aber auf Betreiben Göbbels entlassen , als dieser erfuhr, dass 1928 das Gedichtbändchen Das Vierte Reich von PPA erschienen war, dass er Einstein gewidmet hatte. Bei den Texten allerdings handelte es sich nur um metaphysische Gedichte ohne politischen Hintergrund. Auch PPA entkam dem Zweiten Weltkrieg nicht. Als Hauptmann wurde er an die Front geschickt. “Die beiden blödsinnigen Kriege,” so wetterte er später, “haben mich elf Jahre meines Lebens gokostet, wichtige Entwicklungs- und Reifejahre, und ich bin sechsmal verwundet worden”.

1945 kehrte er aus dem Feld zurück und lebte zunächst in Tutzing am Starnberger See. Hier entstanden seine berühmten Traumstadtgedichte, die 1951 unter dem Titel In der Traumstadt erschienen. Bals siedelte PPA wieder nach München-Schwabing über, wo er das belebende Element des 1947 gegründeten Münchener Kabaretts Schwabinger Laterne war. 1948 eröffnete er sein eigenes Kabarett Monopteros, Dabei handelte es sich um ein Laienkabarett mit Studenten, in dem jedoch auch Künstler von Rang und Namen auftraten. 1948 gründete PPA den Künstlerkreis Seerose, der noch heute existiert. Ab 1952 zog sich PPA aus der Rundfunkarbeit zurück und wandte sich ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit zu. Es erschienen eine Reihe neuer Bücher von ihm: 1952 Dr. Enzian, 1953 Flower Tales – Laßt Blumen sprechen, 1956 Wir Sanften Irren, 1961 Seelenwandertouren und 1966 als Nachlassband PPA läßt nochmals grüßen. Von dem geplanten Band Vergebliche Frömmigkeit – lasset uns dennoch beten verblieb als Fragment nur ein Gedicht.

PPA war für Schwabing mittlerweile länst eine Institution geworden. Er wurde der erste selbsternannte Bürgermeister seiner Traumstadt und der damalige Münchener Oberbürgermeister, Dr. Hans-Jochen Vogel, redete ihn mit Kollege an. 1954 wechselte PPA zu letzten Male seine Wohnung und zog in die Trautenwolfstr. 8, wo er mit Hilde Supan zusammenlebte. Eine große Ehre wurde PPA zu seinem 70. Geburtstage zuteil, als der damalige Altbundespräsident Theodor Heuß im Südwestfunk Stuttgart die Laudatio sprach und dabei den Bogen von Morgenstern über Ringelnatz zu ihm spannte. Althaus erhielt 1961 als erster den Schwabinger Literaturpreis, München und Münster benannten je eine Straße nach ihm.

In seinen letzten Lebensjahren konnte er aus gesundheitlichen Gründen seine Wohnung nicht mehr verlassen; nur einmal im Jahr ließ er sich die 117 Stufen von seiner Obergeschosswohnung heruntertragen, wenn ihn der Oberbürgermeister als Bürgermeister der Traumstadt zur Nikolausfeier in die Gastwirtschaft Seerose einlud. Althaus machte in den späteteren Jahren kein Hehl daraus, dass er mit den Zuständen in Schwabing unzufrieden war. Er, der noch zwischen den bei- den Weltkriegen das silberne Zeitalter Schwabings genossen hatte, schrieb 1961: “Jede Zeit hat ihr besonderes Gesicht. Schwabing hat zur Zeit eine Visage.”Da ihm das Schreiben schwerfiel, verschickte er Tonbandbriefe, so auch seine Ansprache zum ersten Traumstadtabend am 29. April 1965. “Wenn ich mein langes Leben überschaue,” so schrieb er kurz vor seinem Tod, “kann ich sagen: Es war schön.” In der Nacht vom 15. zum 16. September 1965 entschlief PPA sanft in seiner Wohnung hoch über den Dächern von Schwabings. Er wurde in einem Ehrengrab der Stadt München auf dem Nordfriedhof beigesetzt.

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Diese ausführlichere Biographie schrieb Hans Althaus. Er ist der derzeitige Bürgermeister der Traumstadt und Großneffe des Dichters. Sie erschien im Jahre 2004 in Autoren und Autorinnen in Bayern 20. Jahrhundert, Seite 138-140, in der Verlagsanstalt Bayerland– Dachau

 

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